Winter-Bikejöring - wie wird das Bike winterfest?

Wer auch im Winter Bikejöring machen möchte, der setzt sein Bike erhöhten technischen Anforderungen aus. Winterfestigkeit und Verschleiß stellen besondere Anforderungen an das Material.


Spikes-Reifen helfen natürlich, die Fahrsicherheit, Kurvenfahrten und auch die Bremssicherheit zu erhöhen.


Aber wie verhindert man das Einfrieren der Bowden-Züge an V-Brakes und Cantilever-Bremsen und der Schaltung? Und wie ist das mit dem Verschleiß bei anderen Teilen?

Im Folgenden gibt es dazu ein paar Tipps und Hinweise, die helfen über die kalte Jahreszeit zu kommen, ohne auf das Bike-Jöring verzichten zu müssen.


V-Brakes und Cantilever

Beide Bremsenarten zeichnen sich dadurch aus, dass Bowden-Züge (verdrillte Edelstahlseile) zur Kraftübertragung zwischen Bremsgriff und Bremshebeln genutzt werden. Diese sehr günstige und leicht zu wartende Lösung hat im Winter den Nachteil, dass sie einfrieren kann. Dabei gelangt Schmelzwasser des von den Felgen abgefallenen Schnees in die Schutzschläuche der Bremszüge. Bei entsprechenden Temperaturen und durch den Fahrtwind verstärkt, friert dieses Schmelzwasser im Schlauch ein und blockiert die Bremse.

 

Dagegen hilft ein Einfetten oder Einsprühen der Züge mit einem nicht-wasserziehenden Fett (z.B. WD40). Auch ein dicker Fettpfropfen auf den Enden der Züge rundet das ab, aber auch diese Maßnahme ist nicht von Dauer. Dauerhaft helfen da nur beschichtete bzw. versiegelte Züge z.B. von Gore-Tex®. Aber auch hier ist mit Verschleiß zu rechnen, das ist keine Lösung auf ewig. Das Einfrieren der Bowdenzüge beschränkt sich übrigens nicht nur auf die Bremse, auch die Schaltungszüge sind davon betroffen.

 

Edit: Zudem gibt es Kappen, die die Zugschläuche abdichten.

Hydraulische Bremsen

Hydraulische Bremssysteme, egal ob mit Bremsscheibe oder mit Felgenbremsgummis, erscheinen auf den ersten Blick weniger einfriergefährdet als die "offenen" Zugsysteme. Dem ist auch grundsätzlich zuzustimmen. Aber auch hier liegt die Tücke im Detail.

 

Bremssysteme, die sog. DOT-Bremsflüssigkeiten nutzen, haben das Problem, dass diese Flüssigkeiten Wasser ziehen, sie also mit der Zeit Wasser aus der Umgebung in das System aufnehmen. Dadurch wird nicht nur die Korrosion verstärkt, im Winter friert das Wasser im Hydrauliksystem ein und kann so ebenfalls zu Bremsversagen führen. Das betrifft alle DOT-Bremsflüssigkeiten, insbesondere DOT 3 und DOT 4. Die Flüssigkeit DOT 5.1 zeichnet sich zumindest durch eine langsamere Wasseraufnahme aus.

 

Abhilfe schaffen da Hydraulik-Bremssysteme, die statt DOT Hydraulikflüssigkeiten nutzen, die auf Mineralölbasis produziert werden. Diese Hydrauliköle ziehen kein Wasser und unterliegen daher nicht dieser Problematik. Hersteller sind hier Shimano und Magura.

 

Aber Achtung, liebe Schlaumeier! Bitte keine mineralölbasierten Flüssigkeiten in DOT-basierte Bremssysteme einfüllen! Die Bohrungen in den DOT-Systemen sind zu eng für die dickflüssigen mineralölbasierten Hydraulikflüssigkeiten.

Edit: Mineralöle zerstören zudem noch die Dichtungen der DOT-Systeme.

Kettenschaltung - Schaltungsrädchen

Kettenschaltungen unterliegen bei Frost, und ich meine Frost mit Temperaturen um -10 °C, einem sehr hohen Verschleiß, denn die aus Kunststoff gefertigten Schaltungsrädchen, m.E. ist es Nylon® oder ein vergleichbares Material, sind nicht für derartige Temperaturen ausgelegt. Ich habe mir bereits nach kurzer Zeit, innerhalb von nur einer Saison, die Rädchen komplett abgefahren. Das hat Auswirkungen auf die Schaltungspräzision und die Haltbarkeit der Kette.


Abhilfe schaffen hier Schaltungsrädchen aus Aluminium, die aber auch, so zumindest die Empfehlung für Rennräder, nach 10.000 km gewechselt werden müssen. Praktische Erfahrungen habe ich damit aber auch noch nicht.

"Hätte, hätte Fahrradkette!"

Und nicht zuletzt die Antriebskette selber ist durch die Einwirkung von Kälte, Wasser, Streusalz und Split ein häufiges Winteropfer und schnell an der rostbraunen Farbe als "arg gebeutelt" zu erkennen. Hier sollte auf eine sehr regelmäßige Reinigung, Trocknung und anschließende Fettung geachtet werden. Auch wenn im Sommer der Trend zu eher wenig Fett geht, dann sollte man im Winter eine Ausnahme machen.


Eine erhöhte Rostresistenz haben Ketten von KMC. Aber auch hier sollten spätestens nach 5.000 km Kette und Kassette gewechselt werden.