Fat Bike on Snow - Winter in Deutschland ...

... zu wenig Schnee für einen Schlitten ...

... zu viel Schnee für Bike oder Scooter

 

Von Martin Schnitz

Die Situation kennen vielleicht einige?

Bilder vom Schlittenrennen in Destne, wo zeitgleich Fat Bikes (ohne Zughunde) unterwegs waren und schon war bei mir die Idee geboren, ein Fat Bike anzuschaffen.

 

Das Fat Bike ist eigentlich keine neue Erfindung. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Fahrräder auf dem Markt, die teilweise noch breiter bereift und auf Sandstränden im Einsatz waren. Was auf Sand funktioniert, funktioniert vielleicht auch auf Schnee ... so werden Fat Bikes in der heutigen Zeit auch als Snow Bikes vermarktet.

 

Meines Wissens war die recht junge Fahrradschmiede Surly Vorreiter bei dieser Wiederauferstehung mit den Modellen „Moonlander“ und „Pugsley“. Andere Firmen zogen nach. Salsa scheint sich mit dem Modell „Mukluk“ etabliert zu haben und viele andere Firmen stellen Prototypen auf Messen vor.

 

Die Fat Bike-Reifen sind mit einem Reifendruck von 0,3-2 Bar unterwegs. Selbst 2 Bar Reifendruck sind im Vergleich zu Rennrädern, MTBs wenig. Dieser niedrige Reifendruck und das große Reifenvolumen bestimmen das „etwas andere Fahrgefühl“ - meine Erfahrungen nach einem Jahr Dauereinsatz will ich kurz beschreiben.

 

Keine Federgabel ... kein Fullsuspension? Diese Aufgabe übernehmen die dicken Reifen meiner Meinung nach sehr gut. Auf eine gefederte Sattelstütze oder gar Federgabel hab ich verzichtet, da es für mich zu viel des Guten würde.

 

Auf hartem Asphaltgrund und im niedrigen Tempo saugt sich der breite Reifen, stärker als vom MTB gewohnt, in den Untergrund und tritt sich schwerer, bleibt dabei aber überraschend wendig. Der Reifen hat eine deutliche höhere Masse, die erst einmal in Bewegung gebracht werden will (Stichwort Tretenergie), aber gleichzeitig weist er auch eine größere Kontaktfläche zum Boden auf, die mehr Sicherheit und höheres Gleichgewicht hervorbringt. Bei höherer Geschwindigkeit spielt die höhere Reifen-Masse eine kleiner werdende Rolle und das Bike fährt sich leichter. Die Vorteile im Gelände überwiegen für mich ... aber das Fat Bike will auch keine Rennmaschine sein, die Vorteile sehe ich in der Geländetauglichkeit.

 

Verlässt man den Asphalt spielt das Fat Bike seine Trümpfe aus. Bodenunebenheiten werden von den breiten Reifen leichter geschluckt. Wird der Untergrund sehr matschig oder glatt, kann man den Reifendruck verringern und bekommt dadurch selbst auf Blitzeis eine gute Haftung zum Untergrund. Das macht das Fat bike für mich zum idealen Trainingsgerät im Winter und den Übergangszeiten, wo ich ansonsten zu Spikereifen gegriffen habe.

 

Das Einstellen des Reifendrucks geschieht aus dem Bauch heraus, da die meisten „Luftpumpen“ nicht auf einen Reifendruck von 0,3 bar ausgelegt. Es empfiehlt sich der Einsatz einer Standluftpumpe, da die Reifen so großvolumig sind, dass man das Aufpumpen schon als Aufwärmtraining ansehen kann. Wer für den Notfall eine Luftpumpe mit Kartusche mit sich führt, sollte 2-3 Kartuschen zusätzlich einpacken, um für einen Platten in der Pampa gewappnet zu sein.

 

Meinen Erfahrungswerten nach leidet ein Fat bike Reifen aber nicht mehr oder weniger häufig an einem Morbus Plattfuß als ein normaler MTB-Reifen ... es empfiehlt sich aber, ein paar Reserve-Schläuche daheim zu deponieren, da man diese nicht mal so eben beim Fahrradhändler um die Ecke bekommt.

 

Der Spaßfaktor ist bei diesem Bike auch nicht zu verachten ... ich setze mich auch im Sommer gerne darauf, wo ein MTB die schnellere Wahl wäre ... aber meine Hunde wollen ja was zu ziehen haben und da reichen mir Geschwindigkeiten von 20-25 km/h und so fahre ich Strecken, um die ich mit dem normalen MTB sonst ein Bogen mache.

 

Pro und Kontra

+ hohe Geländetauglichkeit (im Matsch, Sand und Schnee etc.)

+ bike joeren, wo sonst nur Schlittenfahren möglich wäre

+ zum Auspowern super

- für den Track-Rekord ungeeignet (zumindest bei optimaler Bodenbeschaffenheit)

Wer sich näher für das Thema Rollwiderstand interessiert, empfehle ich diesen Link : www.mountainbike-magazin.de